Bewertung von Migrations- und Credit-Spread-Risiken
Bei einer Investition in ausfallrisikobehaftete Anleihen übernimmt der Investor neben dem Zinsrisikon eine Reihe von weiteren Risiken, die im Credit Spread vergütet werden. Steigende Credit Spreads führen zu sinkenen Preisen von ausfallrisikobehafteten Anleihen und damit zu Verlusten in einem Corporate Bond Portfolio. Für das Risikomanagement in ausfallrisikobehafteten Anleiheportfolios ist es notwendig, die Risikotreiber zu erkennen, die Klumpenrisiken zu identifizieren und das Risiko gezielt zu steuern.
Die über das Zinsrisiko hinausgehenden Risiken sind:
- Migrationsrisiko: Die Bonität des Emittenten, die im Rating ausgedrückt wird, beeinflusst den Wert einer ausfallrisikobehafteten Anleihe. Bei einer Herabstufung des Ratings oder der Migration in die Ausfallklasse reduziert sich der Wert der Anleihe.
- Credit-Spread-Risiko: Selbst wenn das Rating konstant bleibt, schwankt der Credit Spread im Zeitablauf. Steigende Credit Spreads aufgrund von sinkender Liquidität oder allgemeiner Marktentwicklungen führen ebenfalls zu Wertverlusten.
Für das Risikomanagement von ausfallrisikobehafteten Anleihen müssen das Migrations- und das Credit-Spread-Risiko bewertet werden. Hierzu bietet sich eine Monte-Carlo-Simulation an.

Das Migrationsrisiko lässt sich mit Migrations- und Ausfallwahrscheinlichkeiten beschreiben. Für das Credit-Spread-Risiko sind historische oder theoretische Credit-Spread-Verteilungen zu verwenden. Mit den aus Migrations- und Spreadrisiko resultierenden Spreadänderungen können die Barwerte der Anleihen neu bestimmt werden und aus der Wertverteilung des Portfolios zum Dispositionshorizont können die klassischen Kennzahlen abgelesen werden:
- Expected Loss (Erwarteter Verlust)
- Credit Value at Risk (Unerwarteter Verlust)
- Expected Shortfall
Das Modul Kreditportfoliomodell für Eigengeschäfte in okular ZIABRIS ist eine Standardsoftware der parcIT GmbH, Köln, mit der das Migrations- und Spreadrisiko im Depot A (Adressrisiko in Eigenanlagen) mit Hilfe einer Monte-Carlo-Simulation bewertet werden kann.
Kategorie: Blog, 17.12.2009
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Inhalt
Schlecker, Matthias (2009): Credit Spreads – Einflussfaktoren, Berechnung und langfristige Gleichgewichtsmodellierung. (Reihe Finanzierung, Kapitalmarkt und Banken, Band 66) Eul Verlag, Lohmar/Köln.
