Acht Thesen zum Credit Spread
Für meine Disputation am 06.07.2009 habe ich meine Arbeit “Credit Spreads – Einflussfaktoren, Berechnung und langfristige Gleichgewichtsmodellierung” in 8 Thesen zusammen gefasst.
- Der Credit Spread enthält eine Prämie für das durch den Investor übernommene Ausfallrisiko. Nach Abzug der Ausfallrisikoprämie im Credit Spread verbleibt ein Residualspread. Auf Grundlage von empirischen Kapitalmarktstudien finden sich nur teilweise befriedigende Anhaltspunkte, die eine Interpretation des Residualspreads als Liquiditätsrisikopräme oder eine Prämie für allgemeine Risiken zulassen. Nur wenige Studien berücksichtigen eine Komponente für die Attraktivität von Staatsanleihen. Die Existenz einer Steuerprämie im Credit Spread ist nicht plausibel.
- Im Zeitablauf wird der Credit Spread bei konstantem Rating von Variablen der Konjunktur, Niveau und Steigung der Zinsstrukturkurve, der Entwicklung des Aktienmarktes und der Liquidität beeinflusst. Zwischen den Determinanten des Credit Spreads bestehen wechselseitige Abhängigkeiten, die in empirischen Kapitalmarktstudien bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
- Die Berechnung von Credit-Spread-Zeitreihen sollte auf Basis von Spot Rates erfolgen. Die Spot Rates sind dabei für die risikofreie Referenz und alle Ratingklassen simultan zu bestimmen. Wird der Credit Spread durch einen Renditevergleich laufzeitkongruenter Anleihen bestimmt, ist er vom Marktzinsniveau abhängig. Die Berechnung des Credit Spreads einer einzelnen Unternehmensanleihe sollte durch Renditevergleich mit einem Index erfolgen, der in Kupon und Restlaufzeit angepasst werden kann.
- Als risikofreie Referenz bei der Credit-Spread-Berechnung können Staatsanleihen bester Bonität, Swaps und Pfandbriefe verwendet werden, da sie die Voraussetzungen, die an eine risikofreie Referenz gestellt werden, erfüllen. Die Anleihen sind praktisch frei von Ausfallrisiken, werden auf einem liquiden Kapitalmarkt gehandelt und decken alle wesentlichen Bereiche des kurz-, mittel- und langfristigen Laufzeitspektrums ab.
Die Renditedifferenz zwischen einer Unternehmensanleihe und einer Staatsanleihe wird als Credit Spread bezeichnet. Verwendet man die Swapkurve als risikofreie Referenz, ergibt sich der Spread über Swap. Der Renditeabstand von Swaps zu Staatsanleihen stellt den Swap Spread dar.
- Theoretische Aussagen über die Abhängigkeit des Credit Spreads von seinen Einflussfaktoren sind nur eingeschränkt möglich. Die Structural Models können nur Aussagen zum Ausfallrisiko mit Hilfe der Optionspreistheorie treffen. Risiken, die über das Ausfallrisiko hinausgehen, wie Spread- und Liquiditätsrisiken, bleiben unberücksichtigt. Reduced-Form Models setzen die Wirkungszusammenhänge zwischen dem Credit Spread und seinen Einflussfaktoren als exogene Annahmen voraus. Daher können sie keine theoretisch fundierten Aussagen über die Abhängigkeiten treffen.
- Der Credit Spread umfasst den Spread über Swap und den Swap Spread. Der Swap Spread kann als Attraktivitätsprämie von Staatsanleihen interpretiert werden. Der Spread über Swap spiegelt daher vor allem das Ausfallrisiko sowie Spread- und Liquiditätsrisiken wider.
- Der Spread über Swap bildet langfristig ein Gleichgewicht mit dem Aktienindex (Koeffizient mit negativem Vorzeichen), der Steigung der Zinsstrukturkurve (negativ), dem Libor (negativ) sowie dem Swap Spread (Koeffizient mit positivem Vorzeichen).
Der Swap Spread bildet langfristig mit dem Libor (Koeffizient mit negativem Vorzeichen) und der Steigung der Zinsstruktur (negativ) ein Gleichgewicht.
Der Swap Spread leistet einen Erklärungsbeitrag für das langfristige Gleichgewicht des Credit Spreads. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Credit Spread und Swap Spread. Der Zusammenhang zwischen Credit Spread und Steigung der Zinsstrukturkurve, Libor sowie Aktienmarktentwicklung ist negativ.
- Die Credit-Spread-Struktur steigt für A- und BBB-Anleihen mit der Restlaufzeit an, der Zuwachs ist jedoch abnehmend. Im Investment-Grade können keine buckelförmigen Spread-Strukturen beobachtet werden. Die Struktur des Spreads über Swap steigt für lange Restlaufzeiten an. Die Steigung im langfristigen Bereich des Spreads über Swap nimmt in Zeiten erhöhten Ausfallrisikos zu.
Schlecker, Matthias (2009): Credit Spreads – Einflussfaktoren, Berechnung und langfristige Gleichgewichtsmodellierung. (Reihe Finanzierung, Kapitalmarkt und Banken, Band 66) Eul Verlag, Lohmar/Köln.
Kategorie: Publikationen, 06.07.2009
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